Im Januar 2014 ist es soweit: Fotoausstellung in Düsseldorf

Heyho und Welcome,

als ich vor bald fünf Monaten meine letzten Schritte in Kamerun gemacht habe, kündigte ich es bereits an, nun kann ich es hiermit offiziell machen:

Kamerun goes Düsseldorf. Ich habe die Freude, euch über meine Fotoausstellung im kommenden Jahr aufmerksam zu machen. Ab dem 6. Januar und bis zum 21. Februar werde ich im Café des Düsseldorfer Verwaltungsgerichts die schönsten und aussagekräftigsten Bilder eines ganzen Jahres durch/in und rund um Kamerun präsentieren. Den Abschluss der Ausstellung macht die Filmpremiere meines Dokumentarfilms „Multicolor“, den ich in Kamerun gedreht habe. Ein 40-minütiger „HD-Blockbuster“ ist als Endprodukt entstanden. Ich würde mich freuen, den Ein oder Anderen in der Ausstellung begrüßen zu dürfen. Für Fragen und Anregungen bin ich gerne offen. Mails bitte an luis.jachmann@gmail.com

Weitere Infos auch unter https://www.facebook.com/groups/553657008049864/

Hier ist der Trailer zur Ausstellung: http://www.youtube.com/watch?v=UktudbQbsQE

A bientot (Y)

Luis

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Und dann hat’s gefunkt. Eine Liebeserklärung an den hohen heißen Norden.

Ab nach Maroua.

Salut und Welcome,

Es soll der ganz große Höhepunkt eines erlebnisreichen Jahres in Kamerun werden. Die Tage hier sind gezählt. An zwei Händen kann man sie seit heute abzählen. Vor knapp einer Woche habe ich mich von Dschang auf den Weg gemacht, um den schönsten Ort dieses Landes zu erkunden. Eine Reise in eine andere Welt. Eine Reise in den Hohen Norden Kameruns. 1000 km nordwärts:

Reiseroute Maroua

Um in den Norden zu kommen, muss man erst in den Süden, in die Hauptstadt fahren. Folglich bin ich um halb 10 abends beim Busbahnhof in Dschang, um mir mein Ticket zu kaufen. Per Zufall treffe ich dort Flora, die Leiterin des Deutschklubs an der Uni Dschang, mit der ich Improtheater gespielt habe. Um Mitternacht erst fährt der Bus ab. Kurzfristig wurde der Bus gewechselt. Für den großen Bus waren bis dato zu wenig Leute gekommen. Auf Schlaf wird keine Rücksicht genommen. Im Bus wird laut diskutiert. Als der Bus rollt und das Licht aus ist, dreht der Fahrer die Musik auf Maximum. Ich frage mich: Warum? Fast alle Reisenden versuchen jetzt ein Auge zuzudrücken.
Um halb 3 müssen wir anhalten. Der Reifen muss gewechselt werden. Hätten wir mal den anderen Bus genommen, denken sich viele laut. Mit Flora spreche ich über Afrika im Allgemeinen. Interessant ist, dass sie als Kind mit Afrika auch Klischees verband – ganz so, als wäre sie eine Außenstehende.

Die Sudaner und Äthiopier sind arm. Deswegen sind sie so mager.

Eine halbe Stunde später gibt es eine Rast. Verspäteter Mitternachtssnack. Um 3 Uhr stehen Kinder irgendwo in der Region Centre auf der Straße und verkaufen Kochbananen, Plastiktüten und Taschentücher. Wann schlafen sie?

Um 7 Uhr bin ich in Yaoundé. Die Stadt ist noch recht leer. Meinen Morgen verbringe ich im Park und im Institut francais. Die Suche nach einem gemütlichen Café endet nach einer Weile ohne nennenswerten Erfolg. Gegen Mittag hin wird es derweil voll auf den Straßen. Die Stadt ist im Zentrum komplett dicht. Etliche Soldaten mit Maschinengewehren sichern die Innenstadt. Die Paradestraße 20. Mai 1972 ist abgesperrt, auf der großen Kreuzung sind die Flaggen von über 20 westafrikanischen Staaten gehisst. Grund für all dies ist eine internationale Konferenz zum Konflikt
der Piraterie im Golf von Guinea. Hoher Staatsbesuch mal 24 dafür. Afrikas Egide der
Staatsoberhäupter, darunter die ein oder andere “Witzfigur” (vgl. dt. Kanzlerkandidat über Italo-Macho) sind alle in Yaoundé angetanzt. Rund um den Zentrumsring staut sich alles. Es geht weder vorwärts noch rückwärts. Mit Chief Morfaw’s ältester Tocher Ache bin ich am Nachmittag bei ihrer “Gastfamilie” in Yaoundé eingeladen. Am frühen Abend treffe ich mich dann mit Antonio, Lea, Madalena und Valentin – alles Freiwillige. Wir fünf starten um kurz nach 18 Uhr vom Bahnhof in Richtung Ngaoundéré. Na klar – diesmal in der liebgewonnen 1. Klasse.

Um 9 Uhr morgens erreichen wir Ngaoundéré, von wo aus wir bereits eine Stunde später in Richtung Maroua abfahren. Bereits nach wenigen Kilometern merke ich, wie sehr sich die Landschaft gegenüber meiner letzten Reise im März verändert hat. Trostlose Prärien haben ein grünes Kleid übergestreift. Die Regenzeit hat die Savanne in ein saftiges Grün getaucht.

Ein Mädchen, das im Gang des Busses sitzt, übergibt sich mehrmals. Von Beginn an hält sie sich den Bauch. Doch trotz Schmerzen isst sie immer wieder aufs Neue. In Garoua, auf halber Strecke nach Maroua, machen wir eine längere Rast. Hier ist eine ungewöhnliche, aber leckere Spezialität verbreitet: Ziege in Form von Trockenfleisch in großen, dünnen Matten. In der Waschstraße der Tankstelle haben Gläubige ihre Teppiche ausgelegt. Sie richten sich nach Mekka. Ich frage mich, wie sie die
Richtung erahnen können. Es muss die Sonne sein, die es ihnen verrät.

Alles ändert sich nun. Das Klima wird heißer und trockener, enge Gebirgslandschaften verwandeln sich in flache, schier unendliche Ebenen. Der Boden ist sandig. In der Trockenzeit breitet sich hier die unfruchtbare Steppe aus. Kleine Siedlungen aus Rundhütten mit Strohdächern bilden die Dörfer des Nordens. Manchmal befinden sich diese Steppensiedlungen mitten am Fels.

Die Sonne geht unter. Im Westen die Silhouette der Mandara-Berge in der Ferne, im Osten regnet es leicht. Dort bildet sich ein die Landschaft komplett überspannender Regenbogen. Eine märchenhafte Kulisse.

Als die Finsternis einkehrt, blitzt es. Um 19 Uhr erreichen wir nach neun Stunden Busfahrt Maroua im Hohen Norden. Im Hotel Koffana im Zentrum quartieren wir uns geschafft ein. Nach eineinhalb Stunden des Wartens im Restaurant bekomme ich um 23 Uhr nun auch endlich mein ¼ Hähnchen serviert. Jetzt geht es nur noch ins Bett.

Der nächste Morgen gehört Maroua. Nach einem Frühstück à l’omelette erkunden wir die Oase. Oase darf dabei wortwörtlich genommen werden. Maroua ist umgeben von einer fast wüstenartigen Landschaft mit größeren Hügeln. Die Stadt ist zauberhaft schön. Ich habe selten so eine grüne Innenstadt gesehen. Jede, wirklich jede Straße ist eine Allee mit grünen Kronen, deren Arme bis zum Mittelstreifen reichen. Dazu sind die Straßen entweder – im Fall der Hauptstraßen – geteert oder in kleinen gemütlichen Gassen mit Sand bedeckt. Die ruhige Mentalität der muslimischen Bewohner sorgt für ein überaus angenehmes Klima. Wir schlendern über den Grand Marché und entdecken dabei traditionelle Handwerke, die zum Teil in Nischen dem kommerziellen Western
Way of Life trotzen. Hier findet man noch Schneider und Schuhmacher, die hochwertige Lederschuhe/ -taschen/ -gürtel nach individuellen Wünschen anfertigen.

Nachdem der Morgen sehr kühl und mit Regen begonnen hatte, zeigt sich am Nachmittag die Sonne. Die Temperaturen sind nun angenehm mediterran. Wie Moses durchqueren wir den Fluss Mayo Kaliao an seiner schmalsten Stelle. Die Kinder staunen nicht schlecht. Wir hätten genauso gut die Brücke nehmen können. Noch trägt der Fluss, der die Stadt in Nord und Süd teilt, wenig Wasser. Bis Mitte Juli wird sich dies von nun an stetig ändern.

Am Abend essen wir im Restaurant “iam iam glu glu”. Bier gibt es nicht. Grundsätzlich ist es im Hohen Norden nicht immer leicht, alkoholische Getränke zu finden. 75 % der Einwohner sind Muslime. Verlässt man das Stadtgebiet, so wird es schnell sehr ländlich und traditionell. Hirtenkinder treiben in den Schulferien Ziegen hinter sich her. Manch einer sitzt auf einem Esel. Der arabische Tee schmeckt unglaublich gut. Er ist etwas süßlich und entfaltet sein geheimnisvolles Aroma im Gaumen. Maroua kosten wir voll aus.

Nach drei Tagen im Hohen Norden fahren wir wieder zurück nach Ngaoundéré, wo wir am frühen Abend ankommen und bis zum nächsten Abend bleiben. Die Stadt kenne ich noch bestens von meiner letzten Reise im März. Eine ganz seltene Ehre wird uns beim Sultanspalast zuteil. Eine sogenannte Fantasia, eine große Begrüßungs-Zeremonie findet statt. Kein alltäglich Ereignis. Der ehemalige Tourismus-Minister, nun Senator besucht den Lamido, den Sultan. Lea, Antonio und Madalena besichtigen den Palast, den ich bereits von innen gesehen habe. In der Zwischenzeit unterhalte ich mich draußen mit einem Notablen. Die Notablen sind quasi die Garde des Sultans. Eine halbe Stunde später kommt der Staatsmann an. Gefühlt halb Ngaoundéré steht im Halbkreis auf dem Vorplatz des Palast. Eine Band spielt. Muslimischer Gesang. Wie bei indischen Schlangenbeschwörern wird auf 1m langen Flöten gedudelt. Arabische Klänge wie bei 1001 Nacht. Dann reiten rund 30 Notable auf ihren geschmückten Pferden auf den Vorplatz. Im Galopp, die Speere in der einen Hand gehisst, bewegen sie sich in Richtung Prominenz und stoppen vor dieser erst kurz vorher ab. Majestätischer Applaus für besonders gute Reiter. Bereits mit zwei Jahren sitzen die Notablen das erste Mal auf dem Pferd. Einige von ihnen sind noch jung. Ein Jüngling auf Winnie-Puh-Decke bekommt sein Pferd überhaupt nicht in den Griff. Es springt ganz hysterisch auf der Stelle herum und wirft seinen Reiter beinahe ab.

Am Abend nehmen wir den Zug zurück nach Yaoundé. Dort geht es am nächsten Morgen weiter im Bus. Am Nachmittag bin ich wieder in Dschang. 60 Stunden im Bus oder Zug hat alleine die Fahrt von Dschang nach Maroua und wieder zurück gedauert. Es hat sich gelohnt. Selten habe ich mich so sicher gefühlt wie in der schönsten Region des Landes: Im Dachgiebel Kameruns. Das letzte Mosaiksteinchen im Puzzle Kamerun habe ich gefunden, mein Traum vom Hohen Norden ist in Erfüllung gegangen. Jetzt kann ich zufrieden nach Deutschland zurückkehren.

Es ist unfassbar, dass dieses eine Jahr Auslandserfahrung, Freiwilligendienst, neue Kulturen, neue Menschen entdecken jetzt in wenigen Tagen vorbei ist. Ich kann es schlichtweg nicht realisieren, dieses Umfeld bald zu verlassen. Ich gehe mit einem reichen Erfahrungsschatz und mit einem positiven Gefühl. Das Thema Kamerun ist dabei noch lange nicht Geschichte. In Deutschland soll es erst richtig in Fahrt kommen. Meine zwei größten Projekte habt ihr noch gar nicht zu Gesicht bekommen. Ich werde voraussichtlich Anfang kommenden Jahres eine Ausstellung in Düsseldorf
auf die Beine stellen, in der ich 15 Portraits von Kamerunern präsentiere. Daneben habe ich einen 40-minütigen Dokumentarfilm über Kamerun gedreht, der auch Teil der Ausstellung werden wird. Wenn es soweit ist, werde ich auch an dieser Stelle hier im Blog darauf zu sprechen kommen. Ich hoffe, ihr habt viel Spaß mit meinem Blog gehabt. Wenn ihr jetzt wisst, dass Kamerun ein Land in Afrika ist, habe ich mein Ziel erreicht.

A bientôt (Y)

Link

Salut und Welcome,

wir zählen rückwärts und sind bei der Zahl 37 angekommen. Diese Zahl steht für die Anzahl der Tage, die mich noch von Deutschland trennen. Mein Stimmungsbarometer? Ambivalent. Einerseits freue ich mich selbstverständlich wieder heimzukehren, andererseits gibt es Dinge und vor allem Personen, die ich vermissen werde. Dazu zählen zweifelsohne meine vielen Schüler. Letzte Woche Mittwoch haben sich mit der Graduation-Feier alle Kinder der Klassen 1 bis 5 in die „Sommerferien“ verabschiedet. (um ehrlich zu sein, gibt es hier natürlich keinen Sommer. Also nennen wir die 3-monatige Auszeit mal „Regenzeitferien“. Klingt aber auch blöd :P)

Jedenfalls bin ich noch bis Freitag in der Schule mit Klasse 6 beschäftigt, die nächste Woche ihr Abschlussexamen schreiben – das First School Leaving Certificate, mit dem sie ähnlich wie ich mit meinem Abitur einen nächsten Karriereschritt gehen können: In ihrem Fall lautet das Ziel ab September Sekundarschule.

Davon sind die jetzigen Viertklässler, mit denen ich eine intensive Briefpartnerschaft mit dem Görres-Gymnasium in Düsseldorf unterhalten habe, noch ein ganzes Stück entfernt. Nachdem wir uns gegenseitig via Post und E-Mail Briefe geschickt haben, wollten wir nun einen Schritt weitergehen: Beide Schulen haben Interviews aufgezeichnet. Entstanden ist dabei ein witziger Kurzfilm, der einem Außenstehenden einen tollen Einblick in das hiesige Leben bietet. Ich möchte euch meinen Clip natürlich nicht vorenthalten. Viel Spaß damit:

http://www.youtube.com/watch?v=y62kXdcC4kM

Jetzt geht es für mich auf den Sportplatz. Meine neugegründete Fußball-AG mit Rainbow-Kids steht an.

A bientôt (Y)

Die kleinen Freuden und Leiden des Alltags (::(

Salut und Welcome,

Es ist drückend. Staubige Weiten. Und diesmal Platz. Luxus, der europäischem Standard gleicht. Sitze im Buschtaxi. Bafoussam, drittgrößte Stadt Kameruns. Drecksloch. Warte darauf aufzubrechen. Motor knittert schon. Aber der Bus ist noch nicht voll. Also warten. Oder doch nicht. Plötzlich steigt der Fahrer ein. Wir rollen. Was? Keiner kommt dazu. 3 Leute in einer Reihe, wo sonst vier oder fünf sitzen. Ja, es ist stickig. Ja, es ist anstrengend. Aber Platz! Wir haben Platz. Als Kim und ich zwei Reihen weiter vorne Max sehen, können wir uns ein schelmisches Lachen nicht verkneifen. Er geht eingequetscht von Nachbar auf der Linken und Fenster auf der Rechten auf Tuchfühlung mit Mensch und Karosserie. Sorry Kumpel, zeig Größe, indem du gönnst – auch wenn diese gerade dein Laster ist. Eine Stunde zuvor war ich es, der die Hölle bei Tag gesehen hat. Bei unserer Viererkombo auf dem Bike hatte meine Quelle des Lebens einen heftigen Druck des Fahrers erfahren.

Dschang befindet sich im Februar mitten in der Trockenzeit. Die Bäume verlieren ihre Blätter, der Wind wirbelt überall heißen Staub auf und das Stromnetz kommt zum Erliegen. Leider viel zu häufig. In diesem kürzesten Monat des Jahres, wo der Temperaturunterschied zwischen Heimat und zuhause bis zu 30 Grad beträgt, gibt es nicht einmal eine Hand voll Tage, an denen der Strom durchgängig fließt. Mal fällt er für 2 bis 3 Stunden aus, oft für einen halben und im schlimmsten Fall einen ganzen Tag. Der Höhepunkt ist in der Mitte des Monats erreicht. Gut 10 Tage lang ist im
ganzen Tagesverlauf kein Strom da, nur am späten Abend gibt sich die Elektrizität hin und wieder für wenige Stunden einen Ruck. In der Regenzeit jetzt ist auf den Strom mehr Verlass…

Jacqueline aus Monschau in der Eifel hat gefragt, was man hier eigentlich tut, wenn einen mal wieder der Heißhunger erwischt. Liebchen, um es mal so auszudrücken: Die klassischen Schnellimbiss- (neudeutsch: Fastfood-)Klassiker der Sorte großes gelbes M oder Sandwichbeleger mit 1,5768 Tausendmillionen Kombinationsmöglichkeiten gibt es hier nicht. Sag Nein zu Schleichwerbung! Mit meinem vorbildhaften Verhalten setze ich ein Zeichen. Zurück zur Mission: Wie gebe ich wenig bis gar nichts für Etwas bis Essbares aus? Um es vorwegzunehmen. Die Suche dürfte selbst Tatort- Kommissare und einen Clon aus Spiderman, Jason Bourne und Rach, den Restauranttester (unbedeutende Randfigur aus dem RTL-Hauptprogramm der Kategorie “Ich wollte nur mal ins
Fernsehen”) vor ein Rätsel stellen. Was bietet sich denn so an? Orangen werden im Akkord an jeder Ecke von Frauen geschält (hier wird übrigens gelutscht, nicht gegessen). Nope, keine Erfrischung. Ich will was zu beißen. Der Mais da drüben sieht doch gut aus. Danke, bonne journee. Gut, war wohl doch keine so gute Idee. Mais kann gut schmecken, sehr gut sogar. Nicht aber, wenn man ihn auf das Feuer legt und so lange grillt, dass er sich ein schwarzes Trauerkleid zulegt. Verkokelte Popcorn, das trifft diese Delikatesse ganz gut. Gleiches gilt für die Kochbananen auf offener Straße. Verkokelt allemal und dann ohne jeglichen Geschmack. Wäre ein Spaghettiomelettverkäufer bloß jetzt in der Nähe. Von denen gibt es in Kamerun insgesamt so viele wie Möchtegern-Promis in Deutschland.
Nur Dschang ist irgendwie von der Außenwelt des guten Geschmacks abgeschnitten. Hilfe! Aber selbst in der aussichtslosesten Situation bleibt ein Fünkchen Hoffnung übrig. Und die Rettung naht. Ein Fastfood-Laden eröffnet mitten im Zentrum der Stadt. Gut, es ist kein überdimensionaler Anfangsbuchstabe meines Bruders am Portal auszumachen, aber Burger bleibt Burger. Aus vertraulichen Quellen heißt es, dass sich zwischen den beiden Pappbrot-Scheiben doch tatsächlich Fleisch befinden soll. Ja dann schmeckt die Mahlzeit für zwischendurch sogar noch mal eine Schippe besser. 1 Jahr Kamerun – ein Trip ins kulinarische Gourmet-Abenteuer auf den Spuren von Onkel USA.

A bientôt mes potes (Y)

Nordwärts – 15 Stunden stehen im Zug, arabische Klänge, Giraffen im Savannengras und Karfreitag in Notre Dame

Yaoundé, Ngaoundéré, Benué, Douala

Salut und Welcome,

es klingt hart und so fühlt es sich an. Nichts für Weicheier. Es ist Nacht. Ich bin im Transcamerounais, dem einzigen Zug Kameruns. Ich komme aus der Hauptstadt Yaoundé und bin auf dem Weg in den Norden, nach Ngaoundéré. Auf meinem Ticket ist debout (stehend) gestempelt. Als ich um 18 Uhr abends in Yaoundé abfahre, wird mir bewusst, was mich für ein Höllentrip in den kommenden 15 Stunden erwartet. Eingebrockt habe ich es mir aber im Grunde genommen selbst. Aber der Reihe nach…

Am Samstag (23.3), ein Tag nach Ferienbeginn, mache ich mich auf den Weg nach Yaoundé, in die Hauptstadt. Die ursprünglich auf höchstens 6 Stunden taxierte Reise wird zum Kraftakt. 9 Uhr am Dschanger Busbahnhof, 12 Abfahrt, 14 Uhr Abstecher nach Bafoussam, wo der Bus für fast eine Stunde parkt. In der Dunkelheit erreiche ich ein lautes, heißes Yaoundé.
Eine Stadt, deren Größe das breite Band der tausend Lichter verrät. In der Hauptstadt hält der Bus an mehreren Stationen an. Meine ist um halb 10 die letzte. Ich nehme ein Taxi und fahre zur katholischen Mission im Viertel Mvolye. Dort hat mir Dina, eine ehemalige Rainbow-Freiwillige, für die Nacht Unterschlupf in dem christlichen Haus angeboten. Sie lebt und arbeitet dort im Rahmen ihres Studiums für die nächsten 5 Monate. Mit ihr tausche ich mich über unsere Erfahrungen an der Rainbow School aus. Um Mitternacht falle ich hundemüde ins Bett.

Am nächsten Vormittag (24.3) kaufe ich mir am Bahnhof des Transcamerounais ein Ticket für die Weiterreise am Abend. Bis ich jenes Ticket in Händen halte, ist es ein langer Akt der Hindernisse. Von einem Schalter schickt man mich zum nächsten und wieder zurück. Es gebe keine Tickets mehr für einen Sitzplatz in der 2.Klasse. 10000 Franc (15 Euro) kostet diese Kategorie. Es bleibt bei der Deklaration “Ausverkauft” und so bezahle ich für denselben Tarif ein Ticket der Klasse Stehplatz. Ich könne mich ja einfach in den Speisewagen setzen oder ich tauche dort auf, wo Reservierungen nicht wahrgenommen werden. Irgendeine Lösung werde es schon geben.
Am Nachmittag bin ich mit Dina und einem Freund im städtischen Zoo. Enge Käfige bieten den Tieren wenig Platz. Löwen, Affen und Co sind stark abgemagert, sodass außer Haut nicht mehr viel von den afrikanischen Aushängeschildern übrig geblieben ist. Umweltaktivisten würden Alarm schlagen – aber haben wir in Deutschland nicht ein vergleichbares Problem mit Zoohaltung?
In einer Bar lässt sich mein Sitznachbar eine sonderbare Dienstleistung gefallen: Er lässt sich von einem jungen Erwachsenen die Nägel polieren und schneiden. Um kurz vor halb sechs begebe ich mich in ein Taxi. um zum Bahnhof zu gelangen. Hoffentlich komme ich dort nicht zu spät an. Normalerweise fahre der Zug pünktlich um 18 Uhr ab; es gebe aber auch Tage, an denen er eine Stunde früher (eigentlich ist so etwas sonst ungewöhnlich in Kamerun) Yaoundé verlässt.

Ich komme um 20 vor 6 an. Glück gehabt. Der Zug steht noch am Bahnsteig. Ich habe ein Modell der Generation 54’ WM-Zug erwartet. Ein bisschen moderner ist er schon, 15 Jahre vielleicht. In den hinteren Wagons, Klasse 1, entdecke ich vereinzelt weiße Touristen. Aber mein Weg soll mich an den Anfang der Eisenbahn führen. Auf dem Bahnsteig haben Muslime ihre kleinen Teppiche ausgebreitet. Sie knien nach Mekka gerichtet. Ich betrete mein Abteil und bleibe im Eingangsbereich stehen. Schnell wird mir klar, dass mein Plan, einen Sitzplatz zu suchen, heikel bis unmachbar wird. Erst einmal muss ich wohl stehen. Ich komme mit dieser Situation, so wird mir schnell bewusst, nicht klar. Ich fühle mich
wie ein Bettler, bin den Tränen nahe. Ein Stehnachbar flüstert mir einen Satz zu, in welchem ein Stückchen Wahrheit steckt: Indem ich stehe, spüre ich das Leid und Elend, das ein ganzes Volk erfährt.
Ich empfinde es als Ungerechtheit, dass andere Fahrgäste da sitzen, wo ich auch hätte sitzen können. Sie haben für erheblich bessere Bedingungen dieselbe Summe gezahlt. Aber ich nehme dies so hin – was bleibt mir anderes übrig. Und was ist mit dem Trick Speisewagen? Ich arbeite mich durch den Korridor bis zum Ende der 2.Klasse vor. Dann ist Schluss. Das dort kontrollierende Militär verweigert mir mit meinem Ticket den Zugang zur ersten Klasse. Es gibt da noch eine Karte, die ich spielen könnte. Sie heißt Geld. Diesmal verweigere ich. Ich werde keine 7000 Franc Aufpreis plus 2000 Franc
Schmiergeld an den Kontrolleur bezahlen (insgesamt 13 Euro). Korruption – Kameruns Sorgenkind: Ohne mich! Also kehre ich zurück. Passierende Kontrolleure in meinem “Abteil”, die Wagontransitzone der Pechvögel, sichten mich mit Erstaunen: Der Weiße steht? Ja und da stehe ich zu.Nach zwei Stunden schmerzt die Muskulatur zu sehr. Ich nehme den schweren Wanderrucksack von meinen Schultern und stelle ihn zwischen meine Beine. Es ist eng, ich stehe mit anderen Leuten im Gang und muss jedes Mal, wenn jemand passiert, zur Seite treten. Der Schweiß läuft. Es ist halb 10, ich werde müde. An Schlaf ist aber nicht zu denken. Hinzu kommt, dass ich in diesem Gedrängel penibel auf mein Gepäck achten muss. Meine Leidgenossen sind freundlich, optimistisch und diskutieren mit Leidenschaft über Gott und die Welt. Mein “Stehnachbar” erweist sich als echter Deutschland-Kenner. Mit ihm philosophiere ich über Merkel, EU und deutsches Bier. Die Frauen in meinem Umkreis stehen nicht, sie sitzen auf dem harten Boden. Eine befindet sich im Halbschlaf, eine andere stillt ihr Baby. Immer wieder ruckelt es. Ohne echten Halt ist das mit dem Halt so eine Sache. Mein Allemagne-Spezialist spendiert mir einen Tampico (Ananas-Saft in Plastiktüte). Ich bin froh in dieser anstrengenden Situation in ihm einen Freund zu haben. Jede Stunde hält der Zug auf seiner schier endlosen Reise am Bahnsteig an. Dann steigen eher Leute zu als das es leerer wird. Ähnlich wie bei den Busreisen versuchen Marktfrauen draußen an den Stationen ihre Ware zu verkaufen. Verstaut werden Bananenstauden und Co in unserem “Abteil”. Es wird immer enger. In den Stunden nach Mitternacht kann ich mich zum Glück immer mal wieder auf den Boden hocken und so jeweils für kurze Zeit ein Auge zu drücken. Froh bin aber allemal, als der Zug um 9 Uhr in Ngaoundéré einfährt. Diese Zugfahrt haben mich physisch wie psychisch an den Rand der Belastbarkeit gebracht. Ich bin an dieser Erfahrung gereift. Missen möchte ich sie im Nachhinein nicht, so ein Erlebnis noch mal durchmachen aber lieber auch nicht. Die 15 Stunden im März zwischen Verzweiflung und unvorstellbarer Erschöpfung werden mich fortan prägen. Sie haben Eindruck hinterlassen.

Eindruck hinterlassen auch die ersten Impressionen von Ngaoundéré. (25.03) Es ist trockener, wärmer in der Hauptstadt der Region Adamaoua. Die Hektik ist verflogen, das Leben scheint hier einen ruhigeren Gang zu gehen. Außerhalb der Stadt sind die Anfänge der trockenen Vegetationsgebiete des Nordens spürbar. Es wächst weniger. In der Stadt selbst sorgen Alleen für ein freundliches, urbanes Klima. Der muslimische Einfluss ist enorm. Minarette prägen das Stadtbild. Auch die Bevölkerung sieht hier anders aus. Kopftücher an allen Ecken geben dem Ganzen einen arabischen Touch. In Ngaoundéré treffe ich auf Kim und eine andere IB-Freiwillige, die beide mit ihren Freunden auf Reise sind. Nachdem wir den halben Tag dafür aufwenden, den Besuch des Benué-Nationalparks zu planen, besichtigen wir am Nachmittag den Sultanspalast.

Ngaoundéré_Da wo der Lamido wohnt: Der Sultan

Ein spannender Einblick in einer mir fremde, muslimische Welt. Der Sultan hat noch heute mehr Einfluss in der Gesellschaft als der Gouverneur, wenn auch weniger politische Macht als jener. Draußen singt der Muezzin. Vor den Toren des Palasts
steht die zentrale Moschee der Stadt.

Am Dienstag (26.3) brechen wir in Herrgottsfrühe auf. Nach zwei Stunden Fahrt durch weite Ebenen im Flachland betreten wir das Tor zur afrikanischen Tierwelt, das mit dem Namen Benué-Nationalpark gesegnet wurde. Dieses riesige Areal ist in Zentralnordkamerun einer von drei Nationalparks. Ich verspreche mir von Benué viele Tiere. Nach ein paar Minuten geht mir schon das Herz auf: Paviane überqueren wenige Meter vor uns die Piste. Kurz darauf sehen wir grazile Antilopen im Gras vorbeihüpfen. Ihre Bewegungen sind geschmeidig, sanft, einer Tänzerin gleich. Zwei majestätische Giraffen stehen im Busch. Sie erblicken uns, verweilen einen Augenblick und huschen dann davon. Ihre Gangart ist gewöhnungsbedürftig, aber schnell. In einem Zoo dürfte man kaum eine
rennende Giraffe sehen. In ihrer natürlichen, weitläufigen Umgebung hier ist das noch möglich. Dass wir eine Giraffe erblicken, ist echtes Glück und eine Rarität – Paviane und Antilopen hingegen tauchen immer wieder auf.

Der Fluss Benué gibt dem Park seinen Namen. An den Stellen, wo dieser noch üppig mit Wasser gefüllt ist, badet eine Horde von Nilpferden. Ein Krokodil versteckt sich unter der Oberfläche, nur dessen Augen liegen auf dem Wasser. An anderen Flussabschnitten haben sich breite Sandbänke gebildet. Das Ausmaß der Trockenzeit, die sich im Norden dem Ende zuneigt, wird hier sichtbar. In dem ausgetrockneten Delta tummeln sich wiederum etliche Affen und Antilopen. Sie sind auf der Suche nach Wasser zu dem auf ein Gerinnsel geschrumpften Fluss gekommen. Manche Antilopen laufen um die Wette. Ähnlich scheu, aber noch seltener sind Warzenschweine. Haben sie einen entdeckt, ergreifen sie die Flucht. Durch den ganzen Park ziehen sich drei Merkmale, die ihm einen individuellen Charakter verleihen: Eine tierische Geräuschkulisse, ein Geruch der Wildnis, wie er ähnlich aber doch anders im Zoo auftaucht, und das Bild der Savanne mit Gräsern, Büschen und kleinen Bäumen.

Kurz vor der Mittagshitze ereilt uns eine Reifenpanne. Die Glut, wenn die Sonne am Zenit steht, zwingt uns aber ohnehin zu einer Rast. Nach der Siesta gehen wir am frühen Nachmittag noch mal auf Safari. Diesmal machen wir keine neuen Entdeckungen. Die Tiere ziehen nun schattige Plätze dem Aufenthalt in der knallen Sonne vor. Bei 40 Grad in der Spitze beschränken auch wir unsere Bewegungen und Gespräche auf das Nötigste. Die Hitze macht einem zu schaffen. Weder Fahrer noch Guide geben – wie den ganzen Tag – einen Mucks von sich. Direkt an den Pisten sind ganze Streifen gerodet. Es ist offensichtlich, dass der Boden dort durch menschliches Eingreifen abgebrannt ist. Wahrscheinlich um Freiflächen zu schaffen, damit Touristen einen besseren Blick auf die Tiere haben. Gut finde ich das nicht.

Um halb 5 verlassen wir den Park. Die Rückfahrt nach Ngaoundéré ist eine Reise durch eine andere Welt. Das Leben in den winzigen Dörfern ist einfach und den Bedingungen der Steppe angepasst. Die Hütten bestehen hier im Norden aus Lehm und Strohdächern. Sie sind klein und rundlich. Auch die Menschen sehen anders aus. Sie sind zum Großteil muslimisch und gehören einer Ethnie des Sahels an. Die hier beheimateten Fulbe-Stämme haben einen arabisch geprägten Lebensstil. Ihnen eigen ist eine dunklere Hautfarbe. Ihr Gesicht ist von künstlerischen Narben gezeichnet. Ein verbreiteter Ritus. Auch die Mentalität der Bewohner dieser trockenen Landstriche unterscheidet sich von derjenigen des Südens Kameruns.

Ein Dorf im Norden

Die Menschen hier wirken auf mich introvertierter und ruhiger. Oft begegnen sie einen mit einer überaus freundlichen Höflichkeit. Nach Ngaoundéré nehme ich einen Schatz an neuen Eindrücken mit. Das Abendessen in der Innenstadt ist mit Hähnchen und Gemüse im Brot wieder ganz vertraut.

Nachts erschweren in Ngaoundéré nicht nur die sehr milden Temperaturen sondern auch viel zu viele Mücke meinen Schlaf. Das Surren der kleinen Plage kann ich nicht ertragen. Ich wache mitten in der Nacht auf und geh in meinem Hotelzimmer für eine Stunde erstmal auf Mücken-Jagd. Nach dem Frühstück erkunde ich auf eigene Faust die Stadt. (27.3) Häufig kreuze ich Muslime mit langen Gewändern und Muslime mit Kopftüchern. Gelegentlich hockt an einer Straßenecke, Hauswand oder da, wo der Verkehrslärm ein bisschen gedämpft ist, ein betender Moslem auf seinem kleinen Teppich.


Ich stöbere ein bisschen auf dem Petit Marché, der im Gegensatz zum Grand Marché größer ist – sehr eigenartig! Ich erreiche wieder die zentrale Moschee. Dort treffe ich auf den Guide, der uns zwei Tage zuvor den Palast gezeigt hatte. Nun führt er mich spontan einmal um die Moschee herum. 5 Mal pro Tag finden hier offizielle Messen statt: Um 5, 13,15,17 und 19 Uhr. In dem Gotteshaus gelten strenge Regeln. Vor dem Eingang müssen die Schuhe ausgezogen werden. Ich darf nicht eintreten. Bis zum Mittag klettern die Temperaturen auf über 30 Grad im Schatten. Am frühen Nachmittag zieht sich die Wolkendecke zu und es fängt an zu tröpfeln. Der warme Regen hat einen ganz eigenen Duft. Den Berg Ngaoundéré besteige ich am Abend. Ein putziger Hügel mit Felsbrocken. Um dorthin zu gelangen, bahne ich mir einen Weg durch ein dörfliches, ärmliches
Stadtgebiet. Überall spielen Kinder draußen herum. Es ist erstaunlich, was für einen hohen Anteil an der Bevölkerung ganz junge Menschen hier ausmachen. Auf der Spitze des Hügels angekommen, habe ich einen tollen Ausblick auf Ngaoundéré. Im Hintergrund sind die Gebirgszüge des Adamaoua-Hochgebirges zu erkennen.

Blick auf Ngaoundéré by night

Der Weg zurück ins Zentrum gestaltet sich wegen der einfallenden Dunkelheit schwierig. Die verwinkelten Gassen des Viertels sind wie ein kleines Labyrinth. Seine Bewohner helfen mir auf Nachfrage wieder hinaus. Noch am Abend liegt mir der sonderbare Geruch des Dorfes in der Nase: Duftkerze und Rindfleisch.

Als ich im Café am Frühstückstisch sitze (28.3) – ein Joghurt und Mangosaft (mehr nicht, bei der Hitze kommt kaum Hunger auf – erblickt mich ein Guide, den ich Tags zuvor bei der zentralen Moschee kennengelernt habe. Er arrangiert innerhalb kurzer Zeit ein Moto und führt mich zum See de Tizon, 9 Kilometer südlich von Ngaoundéré.

Bei Ngaoundéré_Lac de Tizon

Von dort aus hat man einen tollen Blick auf die weiten Ebenen des Adamaoua-Hochplateaus. Die Sonne steht hoch. Überall breitet sich ein gelber Teppich mit grünen Farbtupfern aus. Danach nimmt mein Guide noch einen gewollten Umweg, um mir Ngaoundéré genauer zu zeigen. Sightseeing auf dem Moto. Und immer wieder Moscheen. Als ich mich auf den Weg Richtung Auberge begebe, beginnt ein Unwetter zu toben. Der Staub wird vom Sturm aufgewedelt. Dann brechen die schwarzen Wolken. In diesem Augenblick stehe ich vor der einzigen großen Kirche dieser Stadt. Zufall, Schicksal, Botschaft? Jedenfall finde ich in dem katholischen Gotteshaut Schutz vor dem Regen.

Zufluchtsort in stürmischen Zeiten

In der schönen Kirche wird mir bewusst, harmonisch Christen mit Muslimen leben können. So ist es in Ngaoundéré ohne Frage der Fall. Wenn das nur an anderen Orten der Erde ähnlich sein könnte…

Abends wartet der Transcamerounais wieder auf mich. Zurück nach Yaoundé. Die Nacht ist ein Traum, wenn ich diese mit jener von Sonntag vergleiche. Die erste ist eine Klasse für sich. Beinfreiheit und man hat seine Ruhe. Als die Sonne erwacht (29.3), tue ich das auch. Viel geschlafen habe ich nicht. Ich bin zwei Stunden vor Yaoundé. Die Eisenbahntrasse schlägt eine Schneise durch den tiefen Regenwald. Es ist wie auf den besten Kolonialfotos in Sepia. Karfreitag. Zeitsprung: In der Hauptstadt sehe ich zwei Prozessionen mit großem Kreuz an vorderster Front und Menschenmassen dahinter.
Ich nehme mir ein Taxi in die Innenstadt. Am Place de l’Independance betrete ich die größte Kathedrale der Stadt: Notre Dame. Untermalt wird die Karfreitagsmesse immer wieder vom hupenden Verkehr des exorbitanten Kreisverkehrs, der wegen seiner Größe doch stark an Charles de Gaulle-Etoile ohne Triumpfbogen erinnert – um den Vergleich mit Paris noch mal zu suchen. Die Kirche fasziniert alleine ihrer Höhe wegen. Weiße Säulen ragen 25 m in die Höhe. Ein breites Hauptschiff. Das Dach: Eine Holzkonstruktion. Die Liturgien sind offenbar in Akte unterteilt. Nach einem Auftakt mit Trommelwirbel und langen Ansprachen – meist auf “Stammessprache” – kommt der Hauptgang, der überwiegend andächtig gehalten ist. Der Priester, begleitet von Gottesdienern in jedem Alter, verlässt
insgesamt vier Mal die Kirche und tritt daraufhin unter den Augen der 2000 Gläubigen wieder ein. Der Schluss ist klassisch: Kollekte für Rom, Kommunion und – wie an Karfreitag üblich – ein Wechselspiel zwischen kniender und stehender Andacht sowie das Küssen des Kreuzes.

Ich muss mich nur wenige Meter vom Haupteingang entfernen und schon bin ich wieder zurück im ganz verrückten Alltag der City. Auf den Bürgersteigen haben die Straßenhändler ihre T-Shirts, Trikots, Schmuck und toten Ratten ausgebreitet. Sie sind aufdringlich, reden auf mich ein, verfolgen mich manchmal auf meinem Weg durch den Trubel für einige Schritte, um mich vom Kauf irgendwelcher Waren zu überzeugen. Eine Bettlerin möchte von mir ein wenig Geld für eine Mahlzeit haben. Als ich nur geistesabwesend abwinke, packt sie meinen Arm, um mich zu überreden.
So unsolidarisch und kalt es sich anhört, aber man muss lernen zu ignorieren. In einer Abzweigstraße des Kreisverkehrs befindet sich ein riesiger Supermarkt, der mich für einen Moment nach Europa versetzt. Hier gibt es alles – sogar Schoko-Osterhasen! Die Preise sind auch Europa; für die große Bevölkerungsmehrheit nicht erschwinglich.

Am Abend gehe ich zu einem Konzert im Institut francais. Viele Weiße sind gekommen, um sich von zentralafrikanischen Klängen verzaubern zu lassen. Einen Song widmet die Sängerin ihrer Heimat, der zentralafrikanischen Republik. In dem Staat geht es drunter und drüber: Der Präsident ist aus Angst vor den Rebellen geflohen – nach Kamerun.
Nach einem Tag im Zeichen der Siesta fahre ich an Ostersonntag (31.3) nach Douala. Am Vormittag bin ich zuvor aber noch in der Ostermesse. Hier wird das Christentum wahrlich gelebt: Gestern Nachmittag habe ich in einem Stadtpark gechillt, als plötzlich zwei Gesandte einer Sekten-Versammlung mir Gott näher bringen wollten. In der Nacht wurde vor meiner Unterkunft ein Osterfeuer entzündet, um 5.30 Uhr holen mich Chorgesänge aus dem Schlaf und jetzt – vier Stunden später – sitze ich in einer riesigen Basilika. Mehrstimmiger Chor, Orgelklänge, Massentaufe und Hochzeit – ach, nebenbei wird noch die Auferstehung Christi gefeiert…

Und dann bin ich in dem gemütlichen Bus bei angenehmer Hitze in wohltuender Enge. Im Ernst – dem obligatorischen Drei-Stunden-Warten am Busbahnhof folgt die vierstündige Fahrt von Stadt-1-Groß-Heiß-Laut nach Stadt-2-Auch-Groß-Auch-Schwül-Auch-Laut..Sehr-Laut. Anstrengend. Der Himmel über Douala ist in rot getränkt. Alles darunter in Lärm und Verkehr. Ein Huporchester. Ein Geschlängel-Gedrängel. Hat die Straße 3,4 oder 10 halbe Spuren? Man weiß es nicht. Ich sag’s noch mal: Douala ist nicht meine Stadt und das wird sie auch nicht mehr.

Mit dem Taxi vom Busbahnhof zum City-Viertel Akwa. Verkehr, Lärm, Stress – jetzt im Angesicht der Dunkelheit. Die Fahrt am Limit, zwischen Taxis durch, mit Tempo, über rote Ampeln. Egoshooter nur ohne Ballern, dafür Cruisen. Schauplatzwechsel am Ziel: Mit drei Freiwilligen und deren Familienangehörigen, die in Kamerun zu Besuch sind, essen wir in einem schicken Hotel zu Abend. Bei Franzi und Hanna, zwei jener Freiwilligen, schlafe ich. Etwas überraschend kommen dann noch zwei deutsche Studenten, Gäste eines anderen Freiwilligen aus Buea, um bei uns zu pennen. Eigentlich hatten sie sich schon am Flughafen mit Rückflugticket in Händen gesehen. Kleines Manko im Haus: Momentan gibt’s weder fließendes Wasser noch Strom. Als ich schon verzweifelt darüber, dass ich wegen der stehenden Hitze nicht einschlafen kann, auf meiner Matratze liege, springt der Ventilator an. Der Strom ist da, der Schlaf nun auch.
Montagmorgen (1.4) fahre ich kurz alleine zum Marché du Fleur am anderen Ende der Stadt. Dort suche, feilsche und kaufe ich bei Händlern des Kunsthandwerks. Es ist ein Leichtes, in des Verkäufers Stube hineingelockt zu werden. Schwierig ist es, sich aus den Armen des alten Hasen zu befreien. Ist deinem Gegenüber die Verführungskunst inne, so beherrsche du den Moment der Flucht. Zurück in der Wohnung in Douala. Wasser holen. Ein Leitungsrohrbruch spült das Wasser direkt vor dem Haus auf den Weg. Kinder füllen ihre Kanister wie wir auf. Das dort austretende Wasser ist übrigens nicht der Grund für das fehlende Wasser in der Wohnung. Am späten Abend werden wir glücklich feststellen dürfen, dass auch dieses Problem gelöst ist.

Eine frische Abkühlung ist in Douala genau das, wonach man sich quasi Zeit seines ganzen Aufenthalts sehnt. Im städtischen Schwimmbad wird aus Sehnsucht Erfüllung. Hanna, ihr Vater und ich schwimmen dort ein paar Bahnen.

Douala_Erfrischung im Stadtbad

Danach sind wir mit der abends zuvor getroffenen Freiwilligen Lea und deren Familie zu einem Abendessen in traumhafter Kulisse verabredet. Direkt am Meer, im Hafen von Douala, genießen wir einen wunderschönen Sonnenuntergang. Weit hinten am Horizont sind Schiffe zu sehen, weiter rechts ragt die Silhouette des Mount Cameroon empor.

Als Sonne verschwunden und Flut gekommen ist, gesellt sich am Nachbartisch eine große Gruppe von Vietnamesen dazu. Sie lassen den Tag berauschend ausklingen. Trinkspiele erheitern die Männer aus Fernost. Das Ex-en lernen wir aber noch mal…
Ruhe vor dem Sturm. Mitten in der Nacht – ich liege Traum versunken auf meiner Matratze – bricht draußen das größte Unwetter los, das ich je erlebt habe. Eine Sturmflut in der Bretagne ist dagegen ein stilles Aufmucken. Es regnet – ich spare mir die Redewendungen der Kübel und Eimer, weil sie die dämlichsten Untertreibungen wären. Die Menge, die an Niederschlaf herunterkommt, würde ich mit derjenigen Düsseldorfs im halben Monat November vergleichen. Dazu bläst ein heftiger, fast orkanartiger Sturm, der die Fensterläden aufreißt. Mit Mühe kann ich diese wieder schließen, denn es spritzt Wasser in die Wohnung – wie als ob man in einem U-Boot auf Tauchstation die Luke öffnen würde. Das Wasser kommt aus allen Ecken. Vom Balkon aus dringt es unter der Tür durch, sodass sich ein Wasserfilm auf dem Fußboden bildet. Der schwarze Himmel erleuchtet im Sekundentakt. Blitzlichtgewitter. Tausende Blitze erhellen die Nacht. Nach fast einer Stunde ist die apokalypsartige Sinnflut vorbei.

Am Morgen danach (2.April) sind die Spuren der Nacht noch zu sehen. Auf dem Boden hat sich ein feuchter Teppich gebildet, der auch meine Matratze nicht ausgenommen hat.
Im Viertel Bonanjo gehe ich am Vormittag in die Galerie DoualArt. Dann kündigt sich nach 11 Tagen das Ende meiner Reise an. Ich nehme ein Taxi nach Bonaberi, einem Vorort von Douala. Von dort aus trete ich eine sichere Rückfahrt im “Buschbus” gen Dschang an. Sicher – ohne Zwischenfälle, dafür muss man dankbar sein. Auf meiner Reise haben mich auch immer wieder Verkehrsunglücke begleitet. Zum Glück nur in der Rolle des Augenzeugen. Ich habe LKWs am Straßenrand gesehen, die wie ein Akkordeon in sich zusammengefaltet am Abgrund lagen; ein Fahrzeug vor uns hat in vollem
Tempo einen Reifen verloren und auf der Hafenbrücke in Douala deutet eine durchbrochene Leitplanke auf eine Tragödie hin, die sich zwei Tage zuvor ereignet hatte. Ein Taxi ist rappelvoll mit Passagieren ins Wasser gerast. Alle tot.

Ich habe wieder eine neue Ecke Kameruns kennengelernt, neue Menschen getroffen – darunter inspirierende Kameruner und liebenswürdige Freiwillige. Hinter mir liegen 11 aufregende Tage, von denen ich hochgerechnet mehr als 50 Stunden oder 2 Tage oder 20 % der Reise im Taxi, Zug oder Bus saß. Aber was wäre das Reisen ohne das Reisen selbst. Nun liegen noch genau 3 Monate vor mir. Vorhang auf für das letzte Kapitel…

A bientôt mes potes (Y)

Ein Wochenendausflug nach Afrika

Trip nach Oku

Salut und Welcome,

Oku ist der nördlichste Ort, in dem ein IB-Freiwilliger wohnt. Wir drei Freiwilligen in Dschang sind von allen Volunteers diejenigen, die am südlichsten in Kamerun leben. Was bei dieser längst möglichsten Distanz herauskommt, ist eine lange Anreise. Lukas, ein tollkühner Abenteurer, der im Bergdorf alleine auf 2500 m über dem Meeresspiegel wohnt, hat alle IB-Freiwilligen zu sich eingeladen, um seinen Geburtstag nachzufeiern.

Um 12 Uhr fahren wir in Dschang los, um halb drei kommen wir in Bamenda an. Dort durchqueren wir in einem Taxi die halbe Stadt, um zum Gare Routiere zu gelangen, von wo aus wir das nächste „Buschtaxi“ in Richtung Oku nehmen. Allerdings kommen wir nach Stunden des Wartens erst um 17 Uhr von dort weg.

Nördlich von Bamenda beginnt eine Landschaft, die neu für mich ist. Neu fürs Auge, aber eine ganz alte Idee, ein bekannter Gedanke, ganz sonderbar vertraut. Sie ist das, was in meinem Kopf von Anfang an, eigentlich seit ich denken kann, als Bild Afrikas fest genagelt ist. Ein extrem weitläufiges Plateau. Kilometer Flachland mit abwechselnd fruchtbaren und semifertilen Böden, Bäumen, Gräsern und vereinzelt Palmen. Gelbes Gras, das die Savanne schafft. Das ist die Szenerie der Giraffen, Antilopen und Löwen. Leben tun sie aber in diesen Breiten nicht. Gucken muss man können, ganz weit in die Ferne. Das kann ich hier, mein Durst auf afrikanische Inspiration wird gestillt. Ringsum ragen Giganten in die Höhe. Kahle. Wie rasiert, sodass nur noch Stoppeln übrig geblieben sind. Ein buschiges Fell auf des Berges Haut. Ein Blitz rammt in den Boden, Kinder treiben den Ball im Savannengras vor sich her. Der Geist der Natur versprüht Magie in mir. Dem Dorf wurde der Name Ndop gegeben. Ein Déjà-vu? Nein und ja, Erinnerungen an vergangene Zeiten. Ich liebe dieses Fleckchen raues Afrika, das dem Traum Afrika eine Daseinsberechtigung erteilt. Ich habe Afrika nach einem halben Jahr endlich gefunden. Alles Afrika, wirklich alles.

Afrika

Es ist stockduster, als wir in Oku ankommen. Wie das beschaulich anmutende Dorf bei Tag aussieht, kann ich nicht einmal erahnen. Sicher ist nur, dass die Kälte hier in der Nacht Einzug hält. Kälte ist hier 10 bis 15 Grad – um jegliche Unklarheiten im Keim zu ersticken. Lukas und die anderen vier Freiwilligen haben sich in einer imbiss-ähnlichen Bar niedergelassen. Partyhüte werden aufgesetzt (diese hat der in Bali lebende Valentin in einem Paket aus Deutschland zugeschickt bekommen). Jetzt steht einem bunten Abend nichts mehr im Wege. Es soll schnell weitergehen und zwar zu Lukas Haus, das auf einer Anhöhe liegt. Den mittelstarken Anstieg dorthin meistern wir – auch Dank der frischen Luft – mit Leichtigkeit, so mein Eindruck. In launiger Runde machen wir es uns am erwärmenden Feuer draußen vor Lukas Haus gemütlich.

Eine schöne Aussicht bietet sich uns einige Stunden später am nächsten Morgen. Vom Hügel aus kann man bis weit ins Tal hinein schauen. Eine 180°-Drehung und schon richtet sich der Blick auf ein imposantes Bergmassiv. Abstieg, Frühstück, Aufstieg. Zurück in Lukas Haus und jetzt die Frage: Was nun? Die Entscheidung fällt auf einen entspannten Mittag in der Idylle. Ein kleiner Spaziergang führt uns nach kurzer Zeit zu einem Bach, der Ziegen anlockt. Dort mache ich es mir mit Buch bequem. Ein paar Stündchen faulenzen in der Mittagshitze.

Okus Dorfväter Okus Kinder Das Unwetter nähert Das Unwetter naht Nickerchen bei den Ziegen Okus Beauté

Am Nachmittag zeigt uns Lukas einen handwerklichen Meister seines Fachs. Er stellt in seiner Hütte traditionelle afrikanische Figuren her. Und weiter gehts.

In der Community Hall präsentiert eine französische Institution für Entwicklungsaufbau (IRD) einen Film über die Biodiversität Okus. Eigens für diese Vorstellung ist eine mehrköpfige Delegation der IRD aus Frankreich angereist. Bevor jedoch der Clip per Beamer in der Stadt(Dorf-)halle der Bevölkerung vorgeführt wird, zieht ein buntes Rahmenprogramm gefühlt das halbe Dorf an. Eine lokale Tanzgruppe gibt einen Einblick in traditionelle Riten. Eine kulturelle Begegnung par excellence.Kindergruppe Trommelgruppe Tanzgruppe Tradition

Franzosengruppe

Daraufhin strömen die interessierten Beobachter, darunter auch die Franzosen, in die Hall. Draußen geht die Welt derweil unter. Der Himmel hat sich zugezogen, die Temperatur ist erheblich gefallen. Ein Trailer über die Arbeit der IRD, ein typischer dramatischer Imagefilm, stimmt das Dorfpublikum auf den folgenden Heimat verbundenen Film ein. Die Erwartungen sind, wie ich empfinde, nun hoch geschnürt. Zuvor bringt mich ein geballter Haufen an hypnotisierender Reden an den Rand eines Nickerchens. Da ergeht es nicht nur mir so. Die Zuschauer scheinen bei dem spannungsgeladenen Rundumsorglospaket der IRD und einem weinerlichen Vortrag des Divisional Officers halb einzuschlafen. Verhindert wird dies unfreiwillig durch regelmäßige Rückkopplungs-Probleme der Mikrofonanlage. Handys klingeln nicht selten. Mein absoluter Favorit der Delegation ist ein Franzose, der mit übergroßer Baskenmütze das klassische Cliché der Grande Nation bedient. Selbst der französische Botschafter aus Yaoundé hatte sich ursprünglich angekündigt, dann aber kurzfristig abgesagt. Verpasst hat er nicht allzu viel. Der eigentliche Höhepunkt der Veranstaltung, der Film über Oku, ist bis auf ein paar schöne Aufnahmen der beeindruckenden Kulisse Okus ein semiprofessionelles Dokument einheimischer Insektenarten. Nicht ganz nachvollziehen kann ich die EInblendung komplizierter lateinischer Fachtermini. Was soll man damit anfangen? Der MC, der einzige Entertainer inmitten einer emotionslosen Schlafwagen-Mannschaft betont schlussendlich die Bedeutung des Ökotops Okus:

Everything that exists in Africa can be found in Oku. Oku is important for the world.

Nach dieser interessanten Einschätzung eröffnet das letzte Wort Teil 2 der Festlichkeiten: „Essen für alle. Jeder soll daran teilhaben.“ Wir folgen blind den Massen, die sich vor einem schweinchenfarbenen Prachtbau versammeln. Ein Funktionär dieses Ladens (Councils) hat uns neugierige Gruppe aufgespürt. Er führt uns ins Haus. Am Ende eines Ganges gelangen wir in einen mit Stühlen bestückten Raum. Hier kommt auch die französische Delegation an. Die Bürger Okus dränge(l)n in den Saal. Die ersten finden Platz. Dann ist der Raum überfüllt, die Türen werden geschlossen. Ein reichhaltiges Büffet ist vorbereitet worden. Einige Gäste nehmen dieses Angebot mit Eifer an und klotzen sich tonnenweise Essen auf den eigenen Teller. Vielleicht mit weniger auf dem Teller, aber mit genauso viel Begeisterung über feine Speisen greife ich zu. Während wir genüsslich essen, bildet sich eine immer längere Schlange am Büffet. Der Strom fällt aus. Das sind alle gewohnt und dementsprechend gesittet bleibt es – trotz nun schwieriger Bedingungen. Erst als die Massen von draußen, die geduldig und vor allem hungrig gewartet haben, zunehmend eindringen, wird es ein wenig tumultartig.

Den Abend ausklingen lassen wir in entspannter Runde – bei Lukas zuhause mit großem (!) Feuer, Stockkochbanane (die größte Revolution seit dem allseits beliebten Stockbrot) und gewagten Tanzeinlagen.

Am Sonntagmorgen speisen wir wieder für lau. Der Bürgermeister Okus, ein amikaler Schutzpatron von Lukas, hat uns zu sich zum Frühstück eingeladen. Bitte nicht wörtlich nehmen. Uhrzeit und Speisekarte machen das Schlemmen vielmehr zu einem Mittagessen. Wir nehmen Platz in seinem geräumigen Wohnzimmer, welches etliche Sofas beherbergt und neben einer Vielzahl von traditionellen Masken und Figuren einen nigelnagelneuen LCD-Plasmaschirm von Samsung uns präsentiert. Kurzum, hier wird richtig Geld geschaufelt. Zu Hähnchenfleisch, Kartoffeln und Tomatensoße wird uns Weißwein angeboten. Ich lehne dankend ab. Bis Ostern faste ich. Gegen 1 Uhr verabschieden wir uns von Oku und seinem Bewohner Lukas. Es wird Abend sein, als wir in Dschang ankommen.

A bientôt (Y)

Ein Fehler

Salut und Welcome,

es ist mir ein inniges Bedürfnis, es besteht im Grunde genommen eine Notwendigkeit, etwas zu korrigieren, was nun schwierig zu korrigieren ist. Ich möchte und ich muss klar Abstand von der Darstellung der beiden Ereignisse im Blogeintrag „Die Wahrheit über Kamerun…“ nehmen. https://luisinkamerun.wordpress.com/2013/02/16/die-wahrheit-uber-kamerun-dunkle-schattenseiten/

Ich habe im Affekt geschrieben, was alles andere als Ausrede für diese unseriöse Art der Berichterstattung gelten darf. Ich bin in meinen Werturteilen nicht nur weit über das Ziel hinausgeschossen, sondern habe Dinge gar falsch projiziert. Die Sachlage bzw. die Chronologie der beiden Alltagserfahrungen ist im Großen und Ganzen der Wahrheit entsprechend, wenngleich durch übertriebene Metaphorik, Vergleiche und Hyperbeln – sprich durch einen in weiten Teilen zu populistischen Schreibstil – zu dick aufgetragen.

Das eigentliche Problem an dieser Darstellung ist die Verallgemeinerung zweier Beispiele auf eine ganze Gesellschaft. Ich distanziere mich von diesen Aussagen und möchte ganz deutlich unterstreichen, dass eine derartige Generalisierung – wenn auch ganz offensichtlich geschehen – nicht meine Absicht war. Ich bedauere insbesondere die Anmerkungen im Schlussabschnitt, weil sie ein ganz falsches Bild von Kamerun oder einfacher: einer Situation beim Leser erzeugen.

Ich könnte meinen Beitrag löschen. Dies würde aber nicht einen erwünschten Effekt erzielen. Was sich beim Leser im Kopf festgesetzt hat, kann ich durch einen Klick nicht rückgängig machen. Ich habe womöglich oder sogar gewiss einen falschen Eindruck beim Leser generiert, den ich durch die Taste Löschen nicht aus der Welt schaffen könnte. Ich kann aber sehr wohl mit diesem Nachtrag des Überdenkens des Gelesenen erreichen, dass sich der Leser ein modifiziertes, ein hoffentlich richtigeres Bild konstruiert. Ich habe meine Worte noch einmal mit Abstand kritisch überdacht. Ein Freiwilliger hat mich zu der Auseinandersetzung mit meiner ursprünglichen Aussage bewegt.

Ich bitte darum, dies nun auch zu tun und zwei Einzelbeispiele aus dem Alltag eines Einzigen nicht sinnbildlich als Missstände einer ganzen Menschengruppe, eines Volkes zu verstehen/zu interpretieren. Ich biete an, sich diesbezüglich weiter mit mir auszutauschen. Sowohl Facebook wie auch meine E-Mail-Adresse luis.jachmann@gmail.com können Foren hierfür sein.

A bientôt (Y)